Interview mit Dresdner Stadtmagazin Sax

Interview im Stadtmagazin Sax Juli 2017

Für die Juli-Ausgabe des Dresdner Stadtmagazins Sax mit dem Thema „Summen Cum Laude – Imkern in Dresden“ wurden wir zur Arbeit mit unseren Bienen interviewt.

Wie war Ihr Weg zur Imkerei?

Seit Generationen wurden in meiner Familie Bienen gehalten, aber erst als ich 2003 auf einer Reise einen jungen Imker in etwa meinem Alter kennenlernte, der Bienen auf seinem Balkon in der Dresdner Neustadt hatte, wusste ich, dass die Bienen etwas mit mir zu tun haben und ich selbst Bienen halten will. Nach der Reise verschlug es mich als gebürtigen Jenaer und meine Frau ebenfalls nach Dresden. 2009 fanden wir den Ort, der nun die Bienen beheimatet und unseren Bienenprodukten den Namen gibt – den Heinrichsgarten.

Wieviele Bienenvölker haben Sie?

Wir arbeiten zur Zeit mit zirka 40 Völkern.

Was unterscheidet Ihren Honig von anderen Sorten?

Bevor ich an Honig denke, denke ich an die Bedürfnisse der Bienen. In der Demeter-Imkerei wird den Bienen das Ausleben Ihrer grundlegenden Lebensäußerungen ermöglicht. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Vermehrung ausschließlich über den natürlichen Schwarmtrieb erfolgt, die Bienen ihren eigenen Wabenbau errichten – ohne Vorgabe von vorgeprägten Wachs- oder Kunststoffplatten – und dass kein Absperrgitter in den Bienenstock eingelegt wird, welches der Königin und den Drohnen den Zugang zum Honigraum verwehrt. Der Umgang mit den Bienen wirkt sich auf die Qualität des Honigs aus. Unser Honig wird während der Verarbeitung nicht erwärmt und vor dem ersten Festwerden in die Gläser abgefüllt. Das erhält den vollen Geschmack.

Mehr kann man dazu fast nicht sagen – man muss es schmecken.

Welche Vorteile und Nachteile hat das »Stadtimkern«?

Die Stadt bietet im Gegensatz zur ausgeräumten Agrarlandschaft ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Traurig aber war: Die Stadt ist nicht so besonders toll, aber außerhalb ist die Situation mittlerweile und immer noch besorgniserregend schlecht. Agrargifte, wie sie in blütenfreien landwirtschaftlichen Monotokulturen eingesetzt werden, sind in der Stadt selten.

Allerdings wünsche ich mir dennoch von so manchem Hausmeister und Kleingärtner einen bewussteren Umgang mit den auch hier eingesetzten Mitteln. Ein weiterer Vorteil des Stadtimkerns ist, dass in den überall gegenwärtigen Gärten gut für Bestäubung gesorgt wird. Es dürfte in Dresden niemanden mehr geben, der keine Bienen in seinem Garten beobachten kann – es sei denn, dort blüht nichts.

Wieviel Honig produzieren Sie im Jahr und wie wird er vertrieben?

Wir haben im vergangenen Jahr zirka 2.500 Gläser Honig abgefüllt. Der Honig ist bei uns direkt, auf Märkten oder in Bioläden in Dresden und dem Dresdner Umland erhältlich. Bald wird es auch einen Onlineshop geben. Am Hygiene-Museum haben wir einen offiziellen Standort der Arbeitsgruppe »Biene sucht Blüte«. Der dort geerntete Honig ist im Hygiene-Museum erhältlich.

Unseren  Onlineshop finden Sie unter shop.heinrichsgarten.de. Außerdem erhalten Sie unseren Honig natürlich direkt bei uns. Hier können Sie herausfinden, welche Läden unseren Honig führen.

Es wird oft vom Bienensterben gesprochen: Wie schützen Sie Ihre Völker?

Ich schütze Bienen, indem ich mich für eine (ur-)enkeltaugliche und giftfreie Landwirtschaft einsetzte. Dafür bin ich in der Arbeitsgruppe »Biene sucht Blüte« aktiv, unter anderem mit Workshops für Kinder im Ferienprogramm des Deutschen Hygiene-Museums Dresden. Meine Bienen stärke ich durch meine Art der wesensgemäßen Bienenhaltung. Leider gehört aber der Tod auch immer zum Leben.

Was sind Ihre Pläne für eine honigsüße Zukunft?

Jeden Morgen eine Scheibe gutes Demeter-Butterbrot mit leckerem Heinrichsgarten-Honig!

 

 

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