Niemals Radikalschnitt!

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Bäume, die radikal zurückgeschnitten werden − sogennante Kappungsbäume −, tragen große, nicht verheilende Wunden davon. Zudem werden einerseits das Verhältnis von Blattmasse zu Wurzelmassen, andererseits die Saft- und Hormonströme im Baum erheblich gestört.

Ich habe in meiner Praxis überwiegend mit diesen Kappungsbäumen zu tun, die schwere Schäden davongetragen haben und extrem schlecht und aufwändig zu schneiden sind.

Radikalschnitte verkleinern Bäume nur kurzftistig – langfristig bringen sie sie um.

Der nicht sichtbare Teil des Baumes unter der Erde ist noch größer als der oberhalb sichtbare.

Um das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen, reagieren vitale Bäume mit massivem Austrieb sogenannter Wassertriebe. Das sind senkrecht nach oben schießende Triebe, die sich aufgrund der Spitzentriebförderung sehr stark entwickeln und die Krone des Baumes einem Dickicht gleich zuwuchern. Der Baum ist in kürzester Zeit wieder so groß wie vorher, hat aber große Wunden, bekommt kein Licht mehr und ist äußerts schlecht zu beernten/ bearbeiten.

Für vergreiste Altbbäume kann der Radikalschnitt wiederum bedeuten, dass ein ohnehin schon schwaches Wurzelwerk durch den Verlust der Blattmasse nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird – der Baum stirbt in weinigen Jahre ab.

Fachgerecht sind je nach Baumart nur Schnitte bis einem Durchmesser 2 bis 5 cm und abhängig vom Verhältnis zur verbleibenden Astdicke und Blattmasse. Größere Schnitte können am Baum nicht mehr verheilen.

Der Schnitt eines Kappungsbaumes bedeutet ca. 40% Mehraufwand je Schnitt gegenüber einem normalen Erhaltungsschnitt. Je nach Zustand sollten Kappungsbäume über mehrere aufeinanderfolgende Jahre obstbaumpflegerisch begleitet werden, um wieder in einen Gleichgewichtszustand überführt zu werden.

Berücksichtigt man, dass Schnittintervalle fachgerecht gepflegter Bäume in etwa 5 bis 7 Jahre betragen, kann die Pflege des Kappungsbäumen − abgesehen von den Schäden, die sie dann bereits davongertragen haben − zeitweilig schnell die fünf- bis sechsfachen Pflegekosten verursachen.

Also Bäume bitte fachgerecht schneiden und niemals kappen! Die Bäume sind so groß wie sie sind − das ihre Natur. Durch einen Kappungsschnitt wird daraus kein Bonsia sondern nur ein Krüppel.

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